Was Batteriepässe angeht, ist das europäische Schachbrett bereits aufgestellt.
Was Batteriepässe angeht, ist das europäische Schachbrett bereits aufgestellt.
Ab 2026 wird für alle neu gekauften Fahrzeuge, stationären Speichersysteme und großen Industriebatterien in Europa ein Batteriepass vorgeschrieben.
Laut einer aktuellen Studie von Counterpoint vom 9. März werden die weltweiten Verkäufe von Elektro-Pkw im vierten Quartal 2022 im Vergleich zum Vorjahr um 53 % steigen und damit insgesamt über 10.2 Millionen Einheiten erreichen. China, Deutschland und die USA sind die drei größten Märkte für Elektrofahrzeuge.
Aufgrund des schnell wachsenden Marktes für Elektrofahrzeuge steigt die Nachfrage nach Batterien rasant an.
Batterien sind der Schlüssel zur Energiewende. Gleichzeitig sind Batterien material- und ressourcenintensive Produkte, die unweigerlich soziale und ökologische Auswirkungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette haben, darunter Treibhausgasemissionen bei der Materialbeschaffung, -verarbeitung und -herstellung. Daher ist die Einführung des Batteriepasses, der für Transparenz in der Wertschöpfungskette der Batterieindustrie sorgt, ein entscheidender Schritt hin zu einer nachhaltigen Wertschöpfungskette in einer sich rasant entwickelnden Branche.
Am 18. Januar präsentierte die Global Battery Alliance (GBA) auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos, Schweiz, erstmals die Ergebnisse des Prototyps für einen Batteriepass. Der vorgestellte Prototyp erfasst die vollständigen Lebenszyklusdaten von drei Batterien, darunter Herstellungshistorie, chemische Zusammensetzung, technische Spezifikationen, CO₂-Fußabdruck usw. Die drei Batterien stammen von den Automobilherstellern Audi und Tesla.
Bevor die GBA Batteriepässe einführte, hatte die EU bereits an Batteriepässen gearbeitet. Am 9. Dezember 2022 erzielten der Europäische Rat und das Europäische Parlament eine vorläufige politische Einigung über den Vorschlag für eine EU-Verordnung über Batterien und Altbatterien.
Die „EU-Batterie- und Altbatterieverordnung“, auch bekannt als das „Neue Batteriegesetz“ der EU, ist das erste Rechtsdokument, das den gesamten Lebenszyklus von Batterien regelt. Das Neue Batteriegesetz führt Kennzeichnungs- und Informationspflichten für Batterien sowie Anforderungen an digitale Batteriepässe und QR-Codes ein. Zu den offenzulegenden Informationen gehören Produktkapazität, Leistung, Verwendung, chemische Zusammensetzung und Recyclinganteil.
Batteriepässe könnten in der EU bald Standard werden. Der Batteriepass erfüllt die Anforderungen des Neuen Batteriegesetzes, einer Verordnung, die ab 2026 Batterien für alle neu gekauften Fahrzeuge, stationären Speichersysteme und großen Industriebatterien in Europa vorschreibt.
Gemäß den vorgeschlagenen Batterievorschriften wird für jede Industrie- oder Elektrofahrzeugbatterie mit einer Kapazität von mehr als 2 kWh auf dem EU-Markt ein Batteriepass erforderlich sein. Dies bedeutet, dass unabhängig von der Herkunft der Batterie ein Batteriepass auf dem europäischen Markt verfügbar sein muss. Es liegt in der Verantwortung desjenigen, der die Batterie in Verkehr bringt, sicherzustellen, dass alle erforderlichen Daten im digitalen Register erfasst sind und die Informationen korrekt und aktuell sind.
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Warum sollte Battery Passport aktiviert werden?
Da der Transport- und Industriesektor die Elektrifizierung vorantreibt und die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen verringert, steigt der Bedarf an nachhaltiger Batterieproduktion. Das Europäische Parlament drängt auf ein Verkaufsverbot für neue Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor bis 2035, was bedeutet, dass die Nachfrage nach Batteriematerialien weiterhin stark ansteigen wird. Die wachsende Beliebtheit von Elektrofahrzeugen führt zu einem erhöhten Bedarf an wichtigen Mineralien wie Lithium, Kobalt, Glimmer und Nickel.
Laut der Internationalen Energieagentur (IEA) benötigen batterieelektrische Fahrzeuge (BEVs) sechsmal so viele Mineralien wie Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor. Obwohl Elektrofahrzeuge keine Abgasemissionen verursachen, sind sie in der Produktionsphase ressourcenintensiver und emissionsaufwändiger. Der exponentiell steigende Bedarf an Rohstoffen pro Fahrzeug, verbunden mit dem anhaltenden Wachstum der Elektrofahrzeugverkäufe, könnte die weltweite Lithiumnachfrage bis 2040 um das 13- bis 42-Fache erhöhen.
Neben der steigenden Nachfrage nach Batteriematerialien haben die Russland-Ukraine-Krise und die Coronavirus-Pandemie gezeigt, dass diese Lieferketten besonders fragil und anfällig für geopolitische Risiken sind. Die Industrie muss den Kauf von Materialien aus Risikogebieten und Konfliktregionen vermeiden und gleichzeitig die CO₂-Emissionen mit verfügbarer Technologie und zu tragbaren Kosten so weit wie möglich reduzieren.
Daher benötigen Lieferketten mehr denn je Transparenz und Diversität, die durch den Einsatz von Technologie erreicht werden können. Diese Technologien ermöglichen es, ganze Lieferketten transparent zu machen, ihre Aktivitäten offenzulegen und fundiertere, datengestützte Entscheidungen im Beschaffungsprozess zu treffen.
Es bleibt noch viel zu tun, um mehr Transparenz und fortschrittliche Lieferketten zu erreichen. Laut McKinsey haben derzeit nur 2 % der Unternehmen Einblick in ihre Lieferkette jenseits der zweiten Zuliefererebene. Der Weg zu transparenteren, widerstandsfähigeren und nachhaltigeren Lieferketten ist noch weit, insbesondere in der Wertschöpfungskette für Batterien. Hier setzt das Konzept des Batteriepasses an.
Der Batteriepass dient als digitaler Ausweis und die Technologie ermöglicht die Rückverfolgung von Mineralien und Materialien in der Batterielieferkette. Die Integration der Rückverfolgbarkeit von Anfang an in die Lieferkette liefert Nachweise über Herkunft, CO₂-Fußabdruck und Mindestanteil an Recyclingmaterial.
Der Batteriepass enthält wichtige Informationen über die Batterie, darunter Herstellungsort und -verfahren. Er zeigt außerdem die bei der Batterieproduktion freigesetzte Kohlendioxidmenge und die ergriffenen Maßnahmen für eine nachhaltige Produktion an, indem er die im Laufe des Lebenszyklus verwendeten Materialien dokumentiert. So kann die Batterie effizienter wiederverwendet oder recycelt werden.

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Europäische Verschwörung
Das Konzept eines Batteriepasses wurde bereits beim G7-Treffen 2021, im neuen EU-Batteriegesetz und in Regierungsdokumenten vieler Länder anerkannt.
Batterien versorgen Elektrofahrzeuge nicht nur mit Energie – sie bestimmen auch deren Leistung, Lebensdauer, Ladegeschwindigkeit und Kosten. Dies ist jedoch nur ein Teil des längeren Weges einer Batterie entlang der Wertschöpfungskette, die mit der Gewinnung von Rohstoffen beginnt und sich bis zu einer zweiten Phase erstreckt, in der jede Batterie als stationärer Energiespeicher oder zur Rohstoffrückgewinnung dient.
Die Herstellung von wiederaufladbaren Batterien, von der Gewinnung aus Rohstoffen bis hin zu Elektrofahrzeugen, birgt erhebliche soziale und ökologische Risiken. Diese reichen von der Rohstoffgewinnung bis zum Produktionsprozess (CO₂-Fußabdruck, Wasserverbrauch, Schädigung der Artenvielfalt, Umweltverschmutzung) und beeinträchtigen die Nachhaltigkeit des Endprodukts erheblich.
Der Batteriepass ist eine digitale Anzeige von Batterien, die Informationen zu allen relevanten ESG- und Lebenszyklusanforderungen auf Basis einer umfassenden Definition nachhaltiger Batterien bereitstellt. Jeder Batteriepass ist ein digitaler Zwilling der zugehörigen physischen Batterie, die mit einem aufgedruckten oder eingravierten QR-Code als eindeutiger Produktidentifikator versehen sein muss. Unterstützt durch eine digitale Plattform, die eine globale Lösung für den sicheren Informations- und Datenaustausch bietet, zielt das System darauf ab, über das Leistungsmanagement einzelner Batterien hinauszugehen und das Leistungsmanagement aller Batterien entlang der gesamten Wertschöpfungskette der Branche zu erweitern.
Gemäß dem von der GBA vorgelegten Plan konzentriert sich die Entwicklung des Batteriepasses auf folgende Aspekte:
Ein globaler Berichtsrahmen zur Steuerung der Messung, Prüfung und Berichterstattung von ESG-Parametern entlang der gesamten Wertschöpfungskette von Batterien; eine digitale ID für Batterien mit Daten und Beschreibungen zur ESG-Performance, Herstellungsgeschichte und Herkunft, die die Verlängerung der Batterielebensdauer und das Recycling erleichtert; ein digitales System, das die Zusammenarbeit entlang der Wertschöpfungskette koordiniert und Daten in Batteriepässe einbettet.
Für einen spezifischen Batteriepass sind Beiträge aus verschiedenen Quellen erforderlich: Modulhersteller, Batteriehersteller, Automobilhersteller, Batterieservice-, Aufbereitungs- und Recyclingunternehmen.
Ziel des Batteriepasses ist es, die Lieferkette transparent zu gestalten, datengestützte Entscheidungen zu ermöglichen und eine sichere und nachhaltige Batterieproduktion zu gewährleisten. Mit steigenden Verkaufszahlen von Elektrofahrzeugen müssen die für deren Herstellung verwendeten Mineralien sorgfältig geplant und verwaltet werden. Durch den Aufbau einer von Anfang an rückverfolgbaren Batterielieferkette kann die Branche eine Vorreiterrolle bei der Reduzierung von CO₂-Emissionen, der Schaffung verantwortungsvoller und sicherer Lieferketten und der Vorbereitung auf die kommende elektrifizierte Zukunft einnehmen.
Batterien für Elektrofahrzeuge sind noch nicht so umweltfreundlich, wie es sich die Automobilindustrie wünscht, doch das könnte sich bald ändern. In Deutschland hat das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) Batterie- und Automobilhersteller – darunter BMW, Volkswagen, BASF und Umicore – zusammengebracht, um einen Batteriepass zu entwickeln. Dieser soll die Inhaltsstoffe und CO₂-Emissionen von Elektrofahrzeugbatterien in Europa erfassen.
Sie haben 8.2 Millionen Euro für ein dreijähriges Forschungs- und Entwicklungsprojekt erhalten, das die Entwicklung von Kerndatenspezifikationen und technischen Standards für Batteriepässe sowie standardisierten Daten für das Management von in der EU hergestellten oder in Betrieb genommenen Batterien zum Ziel hat. Die Daten werden Informationen über den gesamten Lebenszyklus der Batterie, von der Rohstoffgewinnung bis zum Recycling, integrieren.
Auch einige Automobilhersteller engagieren sich. Volvo Cars arbeitet mit der Plattform für Lieferkettenrückverfolgbarkeit Circulor zusammen, um die vollständige Rückverfolgbarkeit von Mineralien wie Kobalt vom Ursprung bis zu den Elektrofahrzeugen zu gewährleisten. Volvo Cars und seine Zulieferer können Circulor nutzen, um Risiken in ihrer Lieferkette zu überwachen und zu steuern. Die Rückverfolgbarkeit von Kobalt und anderen kritischen Mineralien ist eine der größten Herausforderungen für die Nachhaltigkeit in der Automobilindustrie, und Volvo Cars ergreift Maßnahmen, um diese zu bewältigen.
Batteriepässe werden in der EU bis 2026 verpflichtend, und andere Regionen könnten folgen. Daher ist die Einführung von Batteriepässen wichtiger denn je, um einen weltweit harmonisierten Rahmen für künftige Nachhaltigkeitsleistungen zu schaffen.






